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Atemzug um Atemzug Erinnerungen: Eine Duftreise

Die Faszination von Düften

Düfte sind faszinierend. Sie sind quasi eine Standleitung mitten in unsere Erinnerungen hinein. Widerstand zwecklos. Schließen wir die Augen und geben uns einem Geruch hin, der uns vertraut vorkommt, dann werden wir unmittelbar auf eine Zeitreise geschickt. Emotionen inklusive. Bilder steigen vor unserem geistigen Auge auf, Situationen werden noch einmal erlebt, Gefühltes noch einmal gefühlt. Das ist wunderschön und ein wenig schaurig zugleich.

Auch Musik vermag es, einen unverhofft mitten ins Herz zu treffen. Bei Gerüchen scheint mir der Effekt aber vordringlicher, kraftvoller und vielschichtiger zu sein.

 

Meine Kindheit in Düften

Bereits als Kind spielten Düfte eine große Rolle für mich, was unter anderem daran lag, dass mein Geruchssinn sehr gut ausgeprägt ist. Hatten meine Eltern abends Besuch, während ich nebenan im Kinderzimmer schon schlummerte, so vermochte ich am folgenden Morgen exakt die Person(en) zu benennen, welche sich im Wohnzimmer aufgehalten hatte(n), denn ihr Geruch hing noch immer in der Luft. Diese Eigenschaft sorgte oft für Erheiterung, speziell bei meinem Vater, der zeit seines Lebens überhaupt nicht riechen kann und dem die Welt der Düfte somit schon immer verschlossen ist.

Jeder Mensch hat natürlich andere olfaktorische Trigger, die ihn an Erlebnisse und/oder Personen denken lassen.

Wenn ich mir eine Duftreise in meine Kindheit vorstelle, dann steht der Geruch nach Chlor im Vordergrund, mit dem ich rasch glückliche Sommertage im Freibad assoziiere. Ich kann das Kreischen und Lachen der Kinder dort förmlich hören, die Sonne auf der Haut spüren und das Eis schmecken. Ich bin praktisch wieder dort, ich bin wieder mein früheres Ich. Ein anderer prägender Duft ist der des Apfelblüten-Shampoos von Schauma, mit dem meine Mutter mir stets das Haar zu waschen pflegte. Dieser Duft wird für mich zeitlebens mit Geborgenheit und Fürsorge verknüpft bleiben, ebenso wie der ihres Parfums, der sich in der Wolle ihres Pullovers verfangen hatte. Der Geruch nach Pferden katapultiert mich ad hoc wieder zurück in die Reitstiefel und auf den Rücken meines damaligen Lieblingspferds. Dies sind nur einige Beispiele von Düften, die mich in meiner Kindheit begleitet haben.

 

Zwei Abdrücke von Füßen im feuchten Sand

 

Das erste Parfum

Als Teenager kamen allmählich Parfums mit ins Spiel. Mein erstes Parfum war „Laura“ von Laura Biagiotti. Ein Klassiker, der in vielen Mädchenzimmern ein Zuhause gefunden hatte und den ich, wenn ich die Augen schließe, noch immer riechen kann. Die Düfte kamen und gingen, eines hatten sie jedoch alle gemeinsam: Sie repräsentierten mich und die Person, die ich zu jenem Moment sein wollte. Schnupperte ich an dem Duft, dann fühlte es sich rund und wahrhaftig an.

Viele Jahre lang trug ich meinen damaligen Signature-Duft: „Sensations“ von Jil Sander. Es war ein Duft, der mich mit seiner hellen Sinnlichkeit, die doch auch zart und frisch daherkommt, in seinen Bann zog. Trug ich ihn spazieren, bekam ich stets viele Komplimente. Eines der Schönsten lautete, dass für diese Person dieser Duft, also Sensations, ich bin. Dass der Duft so gut zu mir passt, dass ich mit ihm eine Symbiose eingehe. Jahre sind seitdem vergangen, andere Parfums kamen und gingen, doch solch ein Kompliment bekam ich nicht mehr. Kürzlich habe ich aus einer Laune heraus „Sensations“ auf einen Teststreifen gesprüht und in nostalgischer Freude und Erwartung daran geschnuppert. Es passierte: Nichts. Der Duft gefiel mir nicht mehr.

 

Sommerwiese

 

Wenn ich einst dieser Duft „war“, dann bin ich es jetzt nicht mehr. Ich bin eine Andere geworden. Das ist wohl unvermeidlich und bringt die Zeit mit sich. Nur, wer bin ich denn dann? Welcher Duft passt heute zu mir? Das würde ich gern herausfinden. Es gibt zwei Parfums, die mich seit einigen Jahren begleiten, doch auch diese fühlen sich nicht mehr stimmig an.

Die Suche geht also weiter. Es bleibt spannend.

Wie ist es mit Euch? Welche Gerüche machten Eure Kindheit aus? Tragt ihr Parfums oder lieber nicht?

 

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4 Comments

  • Reply Leif

    Hallo Meike, was für ein toller Post!

    22. August 2016 at 17:32
  • Reply Ruhrtochter

    Ich habe den Duft Sexy Hexy von Wolkenseifen für mich entdeckt. Mein PArtner liebt den Honeymoon. Ich habe früher die Wäsche von mir und meinen Cousins am Duft richtig zusortieren können. Heute schaffe Ich das aber glaube ich erst recht…(Wacken riecht unverwechselbar)

    9. September 2016 at 17:07
    • Reply Meike/ Durch grüne Augen

      Die Düfte von Wolkenseifen sind bestimmt toll! Da gibt es ja auch einen, der nach „Nivea“ riecht, oder? Hmmmmm. :-)

      12. September 2016 at 14:41

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