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Gelesen: Hautnah von Dr. med Yael Adler

Kürzlich habe ich das Buch „Hautnah- Alles über unser größtes Organ“, verfasst von Dermatologin und Ernährungsmedizinerin Dr. med Yael Adler, gelesen, welches im September erschienen ist. 

Über das Buch

Das Buch versteht sich weder als klassischer Ratgeber, noch als bierernstes Nachschlagewerk für Hautkrankheiten und Co. Vielmehr beleuchtet es auf sehr anschauliche und augenzwinkernde Art und Weise Aufbau und Funktion unserer knapp zwei Quadratmeter großen Hülle. Das reicht vom Aufbau der Hautschichten, über Sonne, Körperpflege, Schönheitswahn, Sex, Ernährung/Lebenswandel und dessen Auswirkungen auf die Haut bis hin zu Hautkrankheiten und Essen sowie die Wechselwirkung von Haut und Psyche.

Wer ausschließlich knallharte Fakten und gänzlich wertungsfreien Inhalt sucht, wird mit diesem Buch sicherlich nicht glücklich werden. Eher steht es in einer Reihe mit Werken wie „Darm mit Charme“ von Giulia Enders oder „Crazy Sexy Diet“ von Kriss Carr. Lektüre, von der man durchaus viel Wissen und Inspiration mitnimmt, welche aber in lockerer Atmosphäre daherkommen. In etwa so, als würde man mit einer guten Freundin zum Kaffeeklatsch auf dem Sofa sitzen und sie fragen: Du hast doch mal Medizin studiert, wie ist das eigentlich nochmal mit Rosazea?

 

Buchbesprechung Hautnah von Adler

 

(M)eine Auswahl an spannenden Themen

1. Öl als fahrlässige Körperverletzung

Was Yael Adler sagt:

Hui, harter Tobak gleich zu Anfang. Yael Adler schreibt hier von den oft so gehypten Pflanzenölen, die aber aufgrund ihres flüssigen Zustands für die Körperpflege überflüssig seien. Sie bezeichnet Mandelöl, Olivenöl und Co. als aggressive Reinigungsmittel, die sich mit den Epidermislipiden, also den natürlichen Fetten unserer Haut, verbinden und sie auswaschen. Exzessives Ölen kann in Austrocknungsekzeme resultieren. Diese Hautstellen erscheinen rot, rissig und juckend und verschlimmern sich durch permanentes Nachölen.

Als angemessen für die Rückfettung der Haut sieht sie Salben, fetthaltige Cremes oder Lipo-Lotionen an, die sich gut mit Urea ergänzen. Persönliche Lieblingsöle können in eine Creme oder Lotion eingearbeitet werden. Bei Ölbädern ist es wichtig, sich hinterher nur sanft abzutupfen, um den Ölfilm auf der Haut nicht zu entfernen, da sonst wieder die Lipide aus der Haut entfernt werden und selbige trockener ist zuvor.

Mein Senf:

Gut, dass das Auftragen von Öl auf die trockene (Gesichts)haut nicht optimal ist, ist bekannt, denke ich. Die meisten benutzen schließlich ein Hydrolat, Toner oder Wasser nach der Reinigung und tragen das Öl auf die feuchte Haut auf. Aber eine aggressive Reinigungssubstanz? Klar bekommt man wasserfestes Make-up nur mit Öl herunter, aber dass diese Reinigung so harsch ist, war mir nicht bewusst.

 

2. Über Hyaluronsäure

Was Yael Adler sagt:

Sie schreibt, dass Hyaluronsäure aus sehr großen Molekülen besteht, die lediglich in die obersten Hornschichten eindringen können, wenn man sie aufträgt. Feuchtigkeit binden und die Haut für einige Stunden aufplustern ist also drin. Mehr geht nicht. Jegliche Anti-Aging Versprechungen und teure Produkte sind Mogelpackungen, die keinen nachhaltigen Verjüngungseffekt bringen. Dies erreicht man nur durch Nadeln, die die Hyaluronsäure in die Lederhaut bringen können.

Mein Senf:

Eigentlich schon immer gewusst, aber es schwarz auf weiß zu lesen, ist schon ein wenig ernüchternd. Aber das Binden von Feuchtigkeit in der Haut und ein „Boost-Effekt“ ist ja auch ganz nett, auch wenn es nicht lange anhält.

 

3. Esst Tomatenmark!

Was Yael Adler sagt:

In dem Kapitel über gesunde Pflanzenfarben beschreibt Adler die orangen Carotinoide aus gelbem, orangefarbenem und rotem Obst und Gemüse. Hier hebt sie speziell Betacarotin, welches im Körper in Vitamin A umgewandelt wird, und Lycopin als wahre Alleskönner für unsere Haut hervor. Lycopin ist in Tomaten erhalten und so ist es klar, dass ein Lebensmittel wie dreifach konzentriertes Tomatenmark beispielsweise besonders viel Lycopin enthält. Diese Substanz bringt wesentlich mehr als sämtliche Cremes, da sie neben dem Schutz vor Sonnenschäden an der Haut auch eine wirksame Faltenprophylaxe bietet. Also: mehr Tomatenmark essen!

Mein Senf:

Wie gut, dass ich Tomaten und sämtliche Abkömmlinge über alles liebe. Ob frische Tomaten, oder Tomatenmark, oder Pizzasoße, etc. Mir schmeckts und der Haut tut es gut.

 

Hautnah Adler

 

4. Mehr Leberflecken = verzögerte Hautalterung

Yael Adler sagt:

Etwa 15% aller Menschen haben mehr als 100 Leberflecke, während die große Mehrheit nicht mehr als 30-40 dieser Melanozyten-Nester vorzuweisen hat. Britische Forscher haben wohl entdeckt, dass die Leute mit einer hohen Anzahl an Leberflecken mit einer späteren Hautalterung entschädigt werden. Auch andere mögliche Vergreisungserscheinungen wie beispielsweise Osteoporose sollen sich verzögern. Der Grund für dieses Phänomen liegt in den Chromosomen-Endstücken, den Telomeren, die die Enden der Chromosomen schützen. Der unbarmherzige Alterungsprozess verbraucht diese peu á peu, bis sich die Zellen nicht mehr teilen oder absterben. Besitzer einer stolzen Anzahl von Leberflecken verfügen über große Telomer-Reserven, die die Jugend länger erhalten.

Mein Senf:

Spannende Information, wie ich finde! Ideal wäre natürlich eine Kombination aus wenig Punkten und jugendlicher Langlebigkeit, aber das wäre wohl utopisch. So habe ich wenigstens den Trost, dass meine Leberflecken für etwas gut sind. :-)

 

5. Überdosis Milch

Yael Adler sagt:

Neuesten Erkenntnissen zufolge nehmen wir über Frischmilch in etwa 245 Rinderbotenstoffe auf, die auf über 11000 menschliche Gene einwirken können. Damit vergesellschaftet sind ein erhöhtes Krebs-und Diabetesrisiko, überschießendes Gewebewachstum, Übergewicht und einer Beschleunigung des Alterungsprozesses. Es gibt jedoch auch Untersuchungen, die der Milch ein womöglich vermindertes Darmkrebsrisiko bescheinigen und sie für eine gute Calcium-und Eiweißquelle halten.

Der aktuelle Forschungsstand besagt dennoch, dass Milchmengen von 200ml täglich für Erwachsene und 500ml für Kinder in der Wachstumsphase im akzeptablen Bereich liegen. Konsumiert man als Erwachsener allerdings mehr als einen Liter Milch am Tag, nimmt man eine Überdosis zu sich, die zu eventuellen Langzeitschäden führen kann. Darüber sei die Fachwelt sich mittlerweile einig.

Mein Senf:

Diese Einteilungen in akzeptable Bereiche und Obergrenzen war mir bis dato neu. Seit geraumer Zeit verringere ich Schritt für Schritt meinen Milchkonsum, sowohl aus ethischen, als auch aus gesundheitlichen Gründen. Mittlerweile gibt es Alternativen zuhauf, sei es zum Kochen, Backen, oder sonstigem Verzehr. Ich denke, damit gehe ich in die für mich richtige Richtung, die sich gut anfühlt.

 

Fazit

„Hautnah“ ist ein Buch, welches zum Schmökern verleitet und sich locker-flockig liest. Ideal für Leute, die ihren Wissensdurst zum Thema Haut mit einer großen Portion Unterhaltung und Witz gestillt sehen wollen. Yael Adler findet klare Worte und bezieht durchaus kritisch Stellung, übt sich parallel aber auch in Nachsicht und Milde.

Kennt Ihr das Buch? Gefällt Euch solche Unterhaltung? Und, last but not least, wusstet Ihr über die von mir vorgestellten Thesen Bescheid? Ich bin gespannt auf Meinungen. :-)

 

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6 Comments

  • Reply Andrea

    Das Buch liegt auf meinem Merkzettel und das schon seit einiger Zeit. Ich denke, ich werde es mir doch mal zulegen!

    Zum Glück vermische ich Öle immer mit Aloe Vera Gel, habe unzählige Leberflecken, nehme nicht mehr als 200 ml Milch zu mir… Das mit dem Tomatenmark wird schwierig dank meiner Histamintoleranz. Naja, bisher hab ich mich ganz gut gehalten. :)

    Liebe Grüße und einen schönen 2. Advent!

    4. Dezember 2016 at 11:52
    • Reply Meike/ Durch grüne Augen

      Ich finde das Buch wirklich eine gelungene Mischung aus Information und Unterhaltung.
      Na, wenn Du Dich bisher auch ohne Tomatenmark so gut gehalten hast, dann hast du bestimmt gute Gene und kommst auch wunderbar ohne Tomaten klar. :-)
      Liebe Grüße,
      Meike

      6. Dezember 2016 at 14:22
  • Reply Lena | Mrs-Rosemary

    Vielen Dank für dein Review, liebe Meike! Du hilfst mir sehr weiter, denn Büchern zum Thema Haut/Hautpflege etc. wandern bei mir manchmal ganz automatisch in den Einkaufskorb, ohne dass ich viel dagegen tun könnte… ;-) Da ist es natürlich super, wenn man vorher schon weiß worauf man sich einlässt – oder eben nicht.

    Ich bin stets etwas zwiegespalten, wenn ich dieses Genre mit einer Mischung aus Unterhaltung und medizinischem/dermatologischen Wissen betrachte. Einerseits kennen wir ja als Blogger das Bedürfnis teilweise trockene Themen unterhaltsam und witzig zu verpacken, andererseits erhoffe ich mir von Büchern eher fundierte Informationen und weniger (zugespitze) Meinungen.
    Die von dir vorgestellten Thesen sind definitiv interessant! Das Öl in der Form aggressiv ist/sein soll, war mir nicht bekannt und erstaunt mich ehrlich gesagt auch. Aber das ist ein gutes Beispiel: ist das jetzt eine Tatsache? oder die Meinung von Frau Dr. Adler? Was das angeht, wäre ich mir wohl permanent etwas unsicher und würde das Buch dann wohl eher nicht kaufen. Andererseits geben solche Bücher natürlich tolle Anstöße für weitere Recherche und Posts, so wie hier bei dir. Womit wir wieder am Anfang wären – ein Unentschieden und am Ende wäre es bei mir eine Bauchentscheidung in der Buchhandlung.

    Vielen Dank auf jeden Fall für’s Vorstellen und das Rausarbeiten der Thesen!
    Liebe Grüße,
    Lena

    PS: Ich werde jetzt mal meine Leberflecken zählen… ;-)
    Lena | Mrs-Rosemary hat kürzlich veröffentlicht…Einfach schön #2 – Vegane Karotten-Tonerde-MaskeMy Profile

    4. Dezember 2016 at 13:33
    • Reply Meike/ Durch grüne Augen

      Liebe Lena,
      ich kann Deine gemischten Gefühle sehr gut verstehen. Letztendlich ist es, denke ich, einfach Geschmackssache, ob man dieses Genre mag oder eben lieber sachliche Fachliteratur konsumiert. Ich mag beides und empfand dieses Buch als unterhaltsam und informativ zugleich.
      Leider weiß ich ebenso wenig wie Du, ob das mit dem aggressiven Öl ein Fakt oder eher die Meinung von Frau Dr. Adler ist. Sie argumentiert ferner, dass man nur mit Öl das sogenannte Kindspech lösen kann, es also eine sehr starke (und demnach auch aggressive) Reinigungswirkung erzielt.
      Schau es Dir in der Buchhandlung an, Dein Bauchgefühl wird Dir dann ganz sicher sagen, ob es Dich anspricht oder nicht.
      Lieben Dank für Deinen ausführlichen Kommentar!
      Lieben Gruß,
      Meike

      6. Dezember 2016 at 14:28
  • Reply diealex

    Das klingt nach einem interessanten Buch! Besonders das mit den Leberflecken und der Hautalterung finde ich spannend, da ich selber ziemlich viele Leberflecke habe :-)
    Viele Grüße, die Alex

    5. Dezember 2016 at 16:39
    • Reply Meike/ Durch grüne Augen

      Hallo Alex,
      die These fand ich auch sehr spannend, weil ich davon noch nie gehört oder gelesen hatte. Ich finde es auch mehr als gerechtfertigt, wenn wir mit vielen Leberflecken auch einen Nutzen davon haben. ;-)
      Viele Grüße,
      Meike

      6. Dezember 2016 at 14:30

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